EU stellt ChatGPT unter ihre strengste Plattformaufsicht
31. August 2026

Die EU behandelt ChatGPT nun als sehr große Online-Suchmaschine. OpenAI muss Risiken prüfen, unabhängige Audits zulassen und Forschenden Datenzugang ermöglichen.
Worum es geht
Die Europäische Kommission hat ChatGPT am 31. August 2026 als sehr große Online-Suchmaschine nach dem Digital Services Act (DSA) eingestuft. Damit fällt erstmals ein eigenständiger KI-Chatbot unter die strengste Aufsichtsstufe dieses EU-Gesetzes. OpenAI hatte für die Suchfunktion von ChatGPT im Durchschnitt rund 159 Millionen monatlich aktive Nutzerinnen und Nutzer in der EU gemeldet. Die Schwelle liegt bei 45 Millionen.
Für Menschen in Europa ist das mehr als eine neue juristische Bezeichnung. Die Kommission kann nun systematische Risikoprüfungen, unabhängige Audits und Zugang für zugelassene Forschende verlangen. OpenAI hat vier Monate Zeit, die zusätzlichen Pflichten umzusetzen.
Was die Einstufung tatsächlich macht
Die Kommission betrachtet ChatGPT als „hybriden Dienst“. Entscheidend ist, dass der Chatbot nicht nur Antworten erzeugt, sondern auf Nutzerfragen auch das Web durchsuchen kann. Regulatorisch erfüllt er damit Merkmale einer Online-Suchmaschine.
OpenAI muss künftig jährlich bewerten, welche systemischen Risiken von dem Dienst ausgehen. Dazu gehören illegale Inhalte, der Schutz Minderjähriger, Auswirkungen auf die körperliche und psychische Gesundheit, Grundrechte, Wahlen und die öffentliche Sicherheit. Hinzu kommen unabhängige Audits, Transparenzpflichten sowie die Bereitstellung bestimmter Daten für Behörden und zugelassene Forschende. Bei Verstößen sind nach dem DSA Geldbußen von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes möglich.
Die Einstufung ist keine Feststellung, dass ChatGPT bereits gegen das Gesetz verstoßen hat. Sie legt fest, welche Pflichten und Kontrollrechte künftig gelten.
Warum das wichtig ist
Chatbots werden zunehmend wie Suchmaschinen benutzt, obwohl ihre Antworten anders entstehen. Eine klassische Suchmaschine zeigt Quellenlisten; ein Sprachmodell fasst Inhalte zu einer flüssigen Antwort zusammen. Fehler, einseitige Quellen oder irreführende Formulierungen können dadurch weniger sichtbar sein.
Die EU schafft nun einen Präzedenzfall: Nicht die technische Selbstbeschreibung eines Anbieters entscheidet, sondern die tatsächliche Funktion für Nutzerinnen und Nutzer. Das betrifft langfristig auch andere Assistenten, die Websuche, Empfehlungen und Handlungen verbinden.
Für OpenAI treffen außerdem zwei Regelwerke aufeinander. Der DSA richtet sich an die Risiken des Dienstes und seiner Reichweite. Der AI Act enthält daneben Anforderungen an bestimmte KI-Systeme und allgemeine KI-Modelle. Unternehmen, Forschende und Zivilgesellschaft erhalten dadurch mehrere Ansatzpunkte, um Nachweise einzufordern.
Einfach erklärt
Stellen Sie sich ChatGPT wie einen großen Bahnhof vor, der bisher als besonders moderner Informationsschalter galt. Die EU sagt nun: Weil hier täglich sehr viele Menschen ankommen, Informationen erhalten und weitergeleitet werden, gelten die Sicherheitsregeln des gesamten Bahnhofs. Der Betreiber muss nicht nur den Schalter betreiben, sondern auch Risiken dokumentieren, Kontrollen zulassen und erklären, wie Probleme behoben werden.
Praktisches Beispiel
Angenommen, vor einer Europawahl fragen zehn Millionen Menschen ChatGPT nach Kandidierenden, Wahllokalen und strittigen Behauptungen. Wenn Antworten wiederholt falsche Öffnungszeiten nennen oder bestimmte politische Quellen systematisch bevorzugen, wäre das nicht nur eine Reihe einzelner Fehler.
OpenAI müsste im Rahmen seiner Risikobewertung untersuchen, wie solche Muster entstehen, welche Gegenmaßnahmen wirken und ob die Korrekturen messbar helfen. Ein unabhängiger Audit könnte prüfen, ob das Verfahren nachvollziehbar ist. Zugelassene Forschende könnten mit bereitgestellten Daten untersuchen, ob bestimmte Gruppen oder Sprachen stärker betroffen sind.
Einordnung und Grenzen
- Die Einstufung beweist keinen konkreten Rechtsverstoß und sagt nichts darüber aus, ob eine einzelne ChatGPT-Antwort richtig ist.
- Die genaue Wirkung hängt von Audits, Datenzugang und konsequenter Durchsetzung ab; Pflichten auf dem Papier verhindern Fehler nicht automatisch.
- Viele Details der Risikoprüfungen werden erst in der Umsetzung sichtbar. Geschäftsgeheimnisse, Datenschutz und Forschungstransparenz können miteinander kollidieren.
- Der DSA ersetzt keine persönliche Quellenprüfung bei medizinischen, rechtlichen, finanziellen oder politischen Entscheidungen.
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💡 Im Klartext
ChatGPT gilt in der EU nun rechtlich als sehr große Online-Suchmaschine. OpenAI muss deshalb Risiken regelmäßig untersuchen, externe Prüfungen zulassen und bestimmten Forschenden Daten bereitstellen.
Wichtigste Erkenntnisse
- →ChatGPT überschreitet mit rund 159 Millionen monatlich aktiven EU-Nutzenden deutlich die DSA-Schwelle von 45 Millionen.
- →OpenAI hat vier Monate Zeit, die zusätzlichen DSA-Pflichten umzusetzen.
- →Zu den Pflichten gehören systemische Risikoprüfungen, unabhängige Audits und Datenzugang für zugelassene Forschende.
- →Die Einstufung ist keine Feststellung eines bisherigen Rechtsverstoßes.
- →Bei DSA-Verstößen sind Geldbußen von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes möglich.
Häufige Fragen
Warum gilt ChatGPT als Suchmaschine?
Weil der Dienst Nutzerfragen beantworten und dabei das Web durchsuchen kann. Die Kommission bezeichnet ihn deshalb als hybriden Dienst mit Suchmaschinenfunktion.
Was muss OpenAI jetzt tun?
OpenAI muss unter anderem systemische Risiken bewerten, unabhängige Audits zulassen und bestimmten Behörden sowie zugelassenen Forschenden Datenzugang ermöglichen.
Ist ChatGPT damit in der EU verboten?
Nein. Die Einstufung verschärft Aufsicht und Pflichten, sie verbietet den Dienst nicht.
Wann gelten die zusätzlichen Pflichten?
OpenAI hat nach der Einstufung vier Monate Zeit, sie umzusetzen.
Quellen & Kontext
- European Commission: Supervision of designated VLOPs and VLOSEs
- European Commission: The Digital Services Act package
- Euronews: EU places ChatGPT, Reddit and Roblox under strictest digital safety rules
- AI Weekly: EU designates ChatGPT a Very Large Search Engine under DSA
- European Commission: Digital Services Act questions and answers