Infostealer kapern Claude-Sitzungen trotz Zwei-Faktor-Schutz
31. August 2026

Anthropic warnt vor Schadsoftware, die aktive Claude-Sitzungen kopiert und fremde Nutzung verursacht. Betroffene müssen mehr tun als nur ihr Passwort zu ändern.
Worum es geht
Anthropic warnt betroffene Claude-Nutzer vor einer laufenden Missbrauchskampagne: Gewöhnliche Infostealer stehlen aktive Anmeldesitzungen aus Browsern und verwenden sie anschließend, um Claude-Konten zu übernehmen und bezahlte Nutzung zu verbrauchen. BleepingComputer veröffentlichte die Warnung am 30. August 2026 anhand einer Nachricht, die Anthropic an ein betroffenes Konto geschickt hatte.
Das ist keine Schwachstelle in Claude selbst. Nach den bisher veröffentlichten Angaben gelangte die Schadsoftware über inoffizielle Downloads oder bösartige Apps auf Rechner. Anthropic nennt Vidar, LummaC2, StealC, RedLine und Acreed unter Windows sowie Atomic Stealer auf einigen Macs.
Was der Angriff tatsächlich macht
Ein Infostealer durchsucht den infizierten Rechner nach verwertbaren Daten. Dazu gehören gespeicherte Passwörter, Browser-Cookies und Sitzungskennungen. Eine solche Kennung beweist gegenüber einem Dienst, dass sich ein Nutzer bereits erfolgreich angemeldet hat. Kopiert ein Angreifer diesen Nachweis, kann er unter Umständen dieselbe Sitzung auf einem anderen Rechner fortsetzen.
Deshalb hilft Zwei-Faktor-Authentifizierung hier nur begrenzt: Der Angreifer meldet sich nicht neu an und muss keinen zweiten Faktor überwinden. Er übernimmt einen bereits bestätigten Zustand. Anthropic meldete als auffälliges Zeichen, dass Nutzungslimits ohne Aktivität des Besitzers aufgefüllt und kurz darauf wieder geleert wurden. Das Unternehmen meldete betroffene Sitzungen ab, entfernte gespeicherte Zahlungsmittel und kündigte Erstattungen für erkannte unberechtigte Gebühren an. Für Administratoren folgt daraus eine konkrete Kontrollfrage: Werden parallele Sitzungen, ungewöhnliche Verbrauchsspitzen und neue Geräte zentral protokolliert? Ohne solche Signale bleibt ein übernommenes Konto möglicherweise bis zur nächsten Rechnung unbemerkt.
Warum das wichtig ist
Bezahlte KI-Konten sind für Kriminelle zu einem direkten Vermögenswert geworden. Ein gestohlenes Konto liefert nicht nur Rechenleistung. Je nach Produkt können darin Gesprächsverläufe, hochgeladene Dateien, Projektkontext oder verbundene Dienste liegen. Der Vorfall zeigt außerdem, dass klassische Kontoschutz-Regeln nicht ausreichen, wenn der Endpunkt selbst kompromittiert ist.
Für Unternehmen ist das besonders relevant, weil Browser-Sitzungen oft länger leben als einzelne Arbeitstage. Wer Claude auf einem verwalteten Firmenrechner verwendet, sollte ungewöhnliche Nutzung nicht nur als Abrechnungsproblem behandeln. Sie kann ein Hinweis darauf sein, dass auch andere Browser-Sitzungen, Zugangsdaten und lokale Geheimnisse kopiert wurden.
Einfach erklärt
Stellen Sie sich ein Hotel vor, in dem Gäste nach der Ausweiskontrolle eine elektronische Zimmerkarte erhalten. Zwei-Faktor-Authentifizierung ist die strenge Kontrolle an der Rezeption. Ein Infostealer kopiert jedoch die bereits freigeschaltete Zimmerkarte. Der Dieb muss dann nicht erneut zur Rezeption, sondern versucht, direkt mit der Kopie die Tür zu öffnen.
Praktisches Beispiel
Eine Entwicklerin nutzt Claude täglich und hat ihr Konto mit Zwei-Faktor-Authentifizierung geschützt. Nach dem Download eines manipulierten Programms kopiert ein Infostealer ihre Browser-Cookies. Am nächsten Morgen zeigt das Konto ungewöhnlich hohe Nutzung, obwohl sie über Nacht nicht gearbeitet hat.
Sie ändert sofort das Claude-Passwort. Das allein reicht nicht sicher aus, wenn die gestohlene Sitzung noch gültig ist oder der Infostealer weiterhin läuft. Der richtige Ablauf ist breiter: alle aktiven Sitzungen widerrufen, den Rechner isolieren und professionell bereinigen oder neu aufsetzen, Passwörter von einem sauberen Gerät ändern, gespeicherte Zahlungsmittel prüfen und weitere Konten auf verdächtige Aktivität untersuchen. Erst danach sollte sie sich erneut anmelden. In einem Unternehmen gehört zusätzlich eine Meldung an das Sicherheitsteam dazu, damit Protokolle gesichert, ähnliche Geräte geprüft und möglicherweise gestohlene Schlüssel oder Zugriffstoken widerrufen werden können. Die sichtbare Claude-Nutzung ist dann nur der erste Hinweis auf einen größeren Vorfall.
Einordnung und Grenzen
- Die öffentlich bekannten Details stammen vor allem aus Anthropics Nachricht an betroffene Nutzer und einzelnen Berichten. Umfang, Opferzahl und gesamter finanzieller Schaden sind nicht veröffentlicht.
- Eine leere Nutzungsanzeige beweist keinen Infostealer. Abrechnungsfehler, Teamnutzung oder andere kompromittierte Zugänge müssen ebenfalls geprüft werden.
- Das Abmelden einer Sitzung entfernt keine Schadsoftware. Wer nur das Passwort ändert, kann unmittelbar wieder kompromittiert werden. Umgekehrt sollte ein Nutzer einen Rechner nicht allein aufgrund einer Modellantwort als sauber einstufen; bei ernsthaftem Verdacht ist eine fachkundige Untersuchung oder Neuinstallation sinnvoll.
SEO- und GEO-Schlüsselbegriffe
Claude, Anthropic, Infostealer, Sitzungsdiebstahl, Browser-Cookies, Zwei-Faktor-Authentifizierung, Vidar, LummaC2, Atomic Stealer, Kontosicherheit, KI-Sicherheit
💡 Im Klartext
Schadsoftware kann eine bereits angemeldete Claude-Sitzung kopieren und dadurch Zwei-Faktor-Schutz umgehen. Betroffene sollten alle Sitzungen widerrufen und den Rechner bereinigen, bevor sie neue Zugangsdaten verwenden.
Wichtigste Erkenntnisse
- →Anthropic nennt sechs Infostealer-Familien auf Windows und macOS.
- →Gestohlene Sitzungs-Cookies können eine erneute Zwei-Faktor-Prüfung umgehen.
- →Ungewöhnlich schnell geleerte Nutzungslimits können ein Warnzeichen sein.
- →Das Abmelden des Kontos entfernt die Schadsoftware nicht.
- →Auch andere Zugangsdaten auf dem betroffenen Rechner müssen als gefährdet gelten.
Häufige Fragen
Ist Claude selbst mit Schadsoftware infiziert?
Nach Anthropics Angaben nein. Die genannten Infostealer gelangen über andere Downloads oder bösartige Apps auf den Rechner.
Schützt Zwei-Faktor-Authentifizierung vor diesem Angriff?
Nicht zuverlässig, wenn der Angreifer eine bereits bestätigte Sitzung kopiert. Zwei-Faktor-Schutz bleibt wichtig, ersetzt aber keine Endpunktsicherheit.
Was sollten Betroffene zuerst tun?
Aktive Sitzungen widerrufen, den Rechner vom Netz trennen und von einem sauberen Gerät aus weitere Konten und Zahlungsmittel prüfen.