EU AI Act vor der Pause: Digital Omnibus könnte Hochrisiko-Pflichten bis Dezember 2027 vertagen
3. Mai 2026
Der zweite Trilog zum Digital Omnibus ist am 28. April 2026 ohne Einigung beendet worden. Am 13. Mai 2026 läuft der nächste Versuch, die Hochrisiko-Pflichten des EU AI Act vom 2. August 2026 auf den 2. Dezember 2027 zu verschieben.
Digital Omnibus 2026: EU verhandelt über die Verschiebung der Hochrisiko-Pflichten im AI Act
Die EU steht vor einer politisch heiklen Entscheidung. Am 19. November 2025 hatte die Europäische Kommission den sogenannten Digital Omnibus on AI vorgelegt – ein Paket, mit dem die zentralen Hochrisiko-Pflichten des EU AI Act vom ursprünglichen Stichtag 2. August 2026 auf den 2. Dezember 2027 verschoben werden sollen. Am 28. April 2026 endete der zweite Trilog zwischen Parlament, Rat und Kommission ohne Einigung. Der nächste Versuch ist für den 13. Mai 2026 angesetzt.
Worum es im Digital Omnibus inhaltlich geht
Im Kern geht es um die Pflichten für Anbieter und Betreiber von Hochrisiko-KI-Systemen, etwa in Bereichen wie Personalauswahl, Bonitätsprüfung, kritische Infrastruktur oder Strafverfolgung. Die Kommission begründet die Verschiebung mit Verzögerungen bei der Benennung der nationalen Aufsichtsbehörden und bei den harmonisierten Normen, die als Grundlage für Konformitätsbewertungen gebraucht werden. Auch die Pflicht zur KI-Kompetenz für Mitarbeitende soll von einem harten Mussfeld zu einer weicher formulierten Erwartung abgemildert werden.
Was passiert, wenn der Omnibus nicht rechtzeitig kommt
Wird der Digital Omnibus nicht vor dem 2. August 2026 förmlich beschlossen, gelten die Pflichten des AI Act ab diesem Datum so wie ursprünglich verabschiedet. Das betrifft auch die laufende Verpflichtung, dass jeder Mitgliedstaat bis dahin mindestens eine nationale KI-Regulatorik-Sandbox einrichtet. Parallel dazu treten ab August 2026 die Durchsetzungsbefugnisse gegenüber Anbietern großer GPAI-Modelle in Kraft, an deren Zeitplan der Omnibus nichts ändert.
Pro und Contra – warum die Verhandlungen so zäh sind
Befürworter, vor allem aus Industrieverbänden und Teilen der EVP, argumentieren, dass ohne harmonisierte Normen und benannte Behörden Rechtsunsicherheit drohe. Kritische Stimmen aus Parlament, Datenschutzbehörden und Zivilgesellschaft warnen, dass eine Verzögerung um über ein Jahr genau jene risikoreichen Systeme aus der Aufsicht nimmt, für die das Gesetz geschrieben wurde. Genau diese Konfliktlinie blockiert derzeit den Trilog.
Warum das wichtig ist
Für Unternehmen mit Hochrisiko-Anwendungen, etwa im Recruiting oder in der medizinischen Diagnostik, ist die Unklarheit teuer. Compliance-Teams müssen parallel zwei Szenarien planen: einen Vollstart der Pflichten ab 2. August 2026 und eine Verschiebung bis Dezember 2027. Wer Konformitätsbewertungen, Datenqualitäts-Reviews oder Bias-Tests aufschiebt, riskiert im Worst-Case-Fall, mit fertigen aber nicht prüfbaren Systemen in den Stichtag zu laufen. Die Entscheidung am 13. Mai 2026 wird damit zur strategischen Marke für KI-Roadmaps in ganz Europa.
Praktisches Beispiel
Ein mittelständisches HR-Tech-Unternehmen aus München hat ein KI-System für die automatische Vorauswahl von Bewerbungen entwickelt. Compliance plant zwei Releases parallel: ein „Annex-III-Pfad" mit dokumentierten Trainingsdaten, formalem Risikomanagement und benannten Stellen für eine mögliche Konformitätsbewertung ab August 2026, plus einen schlankeren Übergangspfad mit erweitertem Monitoring, falls der Digital Omnibus die Hochrisiko-Pflichten bis Dezember 2027 hinauszögert. So bleibt das Produkt unabhängig vom Trilog-Ergebnis verkäuflich – aber mit deutlich höherem Aufwand als noch vor zwölf Monaten geplant.
💡 Im Klartext
Europa hat strenge Regeln für gefährliche KI-Systeme beschlossen. Eigentlich sollten die ab August 2026 gelten. Jetzt wird in Brüssel verhandelt, ob viele dieser Regeln erst über ein Jahr später greifen sollen. Am 13. Mai 2026 versuchen die Verhandler einen neuen Anlauf.
Wichtigste Erkenntnisse
- →Die Europäische Kommission hat am 19. November 2025 den Digital Omnibus on AI vorgelegt, um die Hochrisiko-Pflichten des EU AI Act zu verschieben.
- →Geplant ist eine Vertagung des Stichtags vom 2. August 2026 auf den 2. Dezember 2027.
- →Der zweite Trilog am 28. April 2026 endete ohne Einigung; der dritte ist für den 13. Mai 2026 angesetzt.
- →Wird der Omnibus bis 2. August 2026 nicht beschlossen, gelten die Hochrisiko-Pflichten unverändert.
- →Die GPAI-Durchsetzung gegen Anbieter großer KI-Modelle bleibt vom Omnibus unberührt und startet im August 2026.
Häufige Fragen
Was ist der Digital Omnibus on AI?
Ein Gesetzespaket der Europäischen Kommission vom 19. November 2025, das die Pflichten für Hochrisiko-KI im EU AI Act um 16 Monate verschieben würde.
Wann steht die nächste Entscheidung an?
Der nächste Trilog zwischen Parlament, Rat und Kommission ist für den 13. Mai 2026 angesetzt, nachdem die zweite Runde am 28. April 2026 ergebnislos blieb.
Was passiert, wenn der Omnibus nicht beschlossen wird?
Dann gelten die Hochrisiko-Pflichten des AI Act ab dem 2. August 2026 vollständig wie ursprünglich verabschiedet.
Sind GPAI-Anbieter vom Omnibus betroffen?
Nein. Die Durchsetzungsbefugnisse gegen Anbieter großer General-Purpose-AI-Modelle starten unverändert im August 2026.
Quellen & Kontext
- European Commission proposes delaying full implementation of AI Act to 2027 – Euronews
- AI Act Omnibus: What just happened and what comes next? – IAPP
- The Digital AI Omnibus: Proposed deferral of high risk AI obligations under the AI Act – DLA Piper
- EU Digital Omnibus Proposes Delay of AI Compliance Deadlines – OneTrust
- EU Parliament committee backs AI Act delay with fixed 2027 deadline – PPC.land