KI half Einflusskampagnen in echte Medien zu gelangen
9. Oktober 2026

OpenAI sperrte russische und iranische Netzwerke, die ChatGPT für falsche Identitäten und Medienbeiträge nutzten. Erstmals stufte das Unternehmen eine Operation auf Reichweitenstufe 5 ein.
Worum es geht
OpenAI hat am 8. Oktober 2026 zwei verdeckte Einflussoperationen aus Russland und Iran offengelegt und zugehörige ChatGPT-Konten gesperrt. Neu ist weniger, dass KI Propagandatexte erzeugen kann, sondern wie klassische Täuschung und KI zusammenwirkten: Eine russische Gruppe soll unwissende Menschen für eine vermeintliche Denkfabrik eingesetzt haben; eine iranische Gruppe betrieb sieben erfundene Journalistenprofile und bot deren Beiträge echten Redaktionen an.
OpenAI bewertet die russische Operation auf der sechsstufigen Breakout Scale mit Kategorie 5. Das ist die höchste Einstufung, die das Unternehmen seit Beginn seiner Berichte Anfang 2024 für eine von ihm gestoppte Kampagne vergeben hat. Die iranische Operation erreichte Kategorie 4.
Was die Einflussoperationen tatsächlich machten
Die russische Operation, von OpenAI „Dark Clark“ genannt, nutzte ChatGPT vor allem für interne Berichte, Übersetzungen und Material rund um Kampagnen in Lateinamerika. Nach Angaben des Unternehmens steuerte sie über eine falsche Identität ein „Social Research Center“. Beschäftigte vor Ort wussten demnach offenbar nicht, dass eine russische Gruppe dahinterstand. Die Akteure behaupteten außerdem, gefälschte E-Mails und Geschichten verbreitet zu haben; einige passende Berichte, Faktenchecks und offizielle Dementis ließen sich öffentlich finden.
Die iranische Operation setzte sieben angebliche Journalistinnen und Journalisten ein. Sie verschickte längere Beiträge an kleine und mittlere Online-Medien und erzeugte zusätzlich Kommentare zu Themen rund um den Krieg zwischen den USA und Iran. OpenAI sagt ausdrücklich, dass nicht sämtliche veröffentlichten Inhalte aus seinen Modellen stammten.
Warum das wichtig ist
Die Kampagnen zielten nicht nur auf anonyme Social-Media-Konten. Sie versuchten, die Glaubwürdigkeit bestehender Medien zu leihen. Ein Beitrag auf einer echten Nachrichtenseite wirkt für Leserinnen und Leser sowie Suchmaschinen vertrauenswürdiger als ein Post eines neuen, unbekannten Profils.
OpenAI hat seit Anfang 2024 insgesamt 30 verdeckte Einflussoperationen offengelegt. Nach der Analyse erreichen Kampagnen mit Platzierungen in externen Publikationen tendenziell mehr Menschen als Netzwerke, die allein eigene Websites oder soziale Plattformen nutzen. Der Fall zeigt damit eine praktische Schwachstelle: Redaktionen prüfen Texte häufig sorgfältiger als die reale Identität, Finanzierung und Auftraggeber eines freien Autors.
Einfach erklärt
Das Vorgehen ähnelt jemandem, der ein Paket nicht unter eigenem Namen verschickt, sondern es einer bekannten Nachbarin übergibt. Der Inhalt bleibt derselbe, doch Empfänger öffnen es eher, weil sie dem Absender vertrauen. KI half hier beim schnellen Schreiben und Übersetzen; die entscheidende Täuschung war die geliehene Identität.
Praktisches Beispiel
Eine kleine Redaktion erhält von einer angeblichen Korrespondentin einen sauber geschriebenen Gastbeitrag mit Quellenlinks. Zwei Redakteure prüfen Zahlen und Sprache, finden aber keine offensichtlichen Fehler und veröffentlichen den Text. Erst später stellt sich heraus, dass Profilfoto, Lebenslauf und Auftraggeber erfunden waren. Mit KI kann eine Gruppe parallel zehn Varianten für verschiedene Länder erstellen, ohne dass damit bewiesen wäre, dass jede Variante veröffentlicht oder gelesen wird.
Einordnung und Grenzen
- Die Angaben zu Konten und internen Prompts stammen überwiegend von OpenAI; unabhängige Stellen haben nicht jedes Detail bestätigt.
- Eine Breakout-Einstufung misst potenzielle Reichweite und Verbreitungswege, nicht automatisch eine nachgewiesene Veränderung von Einstellungen oder Wahlen.
- KI war ein Beschleuniger, aber nicht die alleinige Ursache. Falsche Identitäten, angeworbene Menschen, E-Mails und redaktionelle Versäumnisse waren ebenso wichtig.
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💡 Im Klartext
Russische und iranische Gruppen nutzten ChatGPT, um verdeckte Kampagnen professioneller wirken zu lassen. Besonders riskant war, dass erfundene Identitäten Inhalte in echte Medien brachten.
Wichtigste Erkenntnisse
- →OpenAI sperrte Konten zweier Einflussoperationen aus Russland und Iran.
- →Die russische Operation erhielt erstmals in OpenAIs Berichten die Reichweitenstufe 5.
- →Die iranische Operation arbeitete mit sieben erfundenen Journalistenprofilen.
- →Echte Medienplatzierungen waren wichtiger als bloße Social-Media-Masse.
- →Eine nachgewiesene Wirkung auf Meinungen oder Wahlen nennt OpenAI nicht.
Häufige Fragen
Was ist Dark Clark?
Dark Clark ist OpenAIs Bezeichnung für eine russische Einflussoperation, die in Lateinamerika aktiv war und offenbar eine vermeintliche Denkfabrik kontrollierte.
Hat KI die Artikel allein veröffentlicht?
Nein. KI unterstützte Schreiben, Übersetzen und interne Berichte; Menschen, falsche Identitäten und reale Redaktionen bildeten den Verbreitungsweg.
Was bedeutet Kategorie 5?
Auf der sechsstufigen Breakout Scale steht Kategorie 5 für eine Operation mit hoher potenzieller Reichweite über etablierte Medienkanäle. Sie beweist keine konkrete politische Wirkung.