Feynman bündelt KI-Recherche und prüfbare Forschungsartefakte
19. September 2026

Der offene Forschungsagent Feynman verbindet Literaturrecherche, Quellenprüfung, Replikationspläne und eine lokale Werkbank. Das ist praktisch, verlangt aber weiterhin fachliche Kontrolle.
Worum es geht
Feynman ist ein quelloffener Forschungsagent von Companion, der wissenschaftliche Recherche nicht bei einer Chat-Antwort beendet. Das Werkzeug sucht Fachliteratur und Webquellen, erstellt belegte Übersichten, vergleicht Aussagen aus Publikationen mit öffentlichem Code und plant Replikationsversuche. Es läuft im Terminal oder als lokale Forschungswerkbank im Browser.
Das Produkt ist vor allem für Forschende, Studierende und technische Teams interessant, die Ergebnisse, Quellen und Zwischenschritte gemeinsam prüfen möchten. Die offizielle Dokumentation beschreibt Installationen für macOS, Linux und Windows sowie einen eigenen Skills-Baustein für Codex, Claude und OpenCode.
Was Feynman tatsächlich macht
Die Kommandozeile nimmt eine Forschungsfrage entgegen und zerlegt sie je nach Aufgabe. feynman lit erstellt eine Literaturübersicht mit Konsens, Widersprüchen und offenen Fragen. feynman rank ordnet Publikationen nach Zitierbelegen, Methodik, Reproduzierbarkeit und Herkunft. feynman audit vergleicht Behauptungen eines Papers mit dem öffentlich verfügbaren Code. feynman replicate entwirft einen Replikationsplan; Experimente sollen erst nach einer ausdrücklichen Wahl der Ausführungsumgebung starten.
Mit feynman serve öffnet sich eine lokale Werkbank für Projekte, Chats, Dateien, Notebooks, Artefakte und Herkunftsnachweise. Für Literatur und wissenschaftliche Metadaten bindet das Projekt unter anderem alphaXiv, OpenAlex, arXiv, PubMed und Europe PMC ein. Lokale Modelle lassen sich über LM Studio, LiteLLM, Ollama oder vLLM anbinden; alternativ unterstützt Feynman gehostete Modellanbieter.
Die Installation ist als eigenständiges Laufzeitpaket oder über npm möglich. Der eigenständige Installer lädt eine markierte Veröffentlichung, prüft deren SHA-256-Prüfsumme und bringt eine passende Node.js-Laufzeit mit. Wer nur die Forschungsabläufe benötigt, kann die Skills getrennt installieren.
Warum das wichtig ist
Allgemeine Chatbots können eine Literaturliste liefern, doch die eigentliche Arbeit beginnt danach: Welche Quelle trägt welche Aussage? Ist der Code öffentlich? Lässt sich ein Ergebnis unter realistischen Bedingungen wiederholen? Feynman versucht, diese Schritte in einem prüfbaren Arbeitsablauf zusammenzuführen. Der Nutzen liegt weniger in einer einzelnen Antwort als in der Verbindung aus Recherche, Quellenbezug, Artefakten und Verlauf.
Für Teams ist das besonders relevant, wenn ein Bericht später überprüft oder fortgeführt werden muss. Statt lose Chatverläufe, PDFs, Tabellen und Notebooks getrennt zu verwalten, hält die lokale Werkbank diese Elemente in einem Projektkontext. Das senkt nicht automatisch die Fehlerquote, macht Fehler und fehlende Belege aber leichter auffindbar.
Feynman ist unter einer offenen Lizenz auf GitHub verfügbar. Die Produktseite nennt Companion als Anbieter; das Repository und die Dokumentation zeigen den Installationsweg und die unterstützten Forschungsfunktionen. Damit ist das Werkzeug konkret testbar und nicht nur eine angekündigte Landingpage.
Einfach erklärt
Feynman ähnelt einer gut sortierten Reisemappe. Ein normaler Chatbot schreibt vielleicht eine Liste mit Sehenswürdigkeiten. Feynman versucht zusätzlich, Fahrkarten, Öffnungszeiten, Karten, Quittungen und Änderungen so abzulegen, dass eine zweite Person die Reise nachvollziehen kann. Die Mappe kann trotzdem einen falschen Fahrplan enthalten, aber die Herkunft der Planung bleibt sichtbarer.
Praktisches Beispiel
Ein Forschungsteam möchte prüfen, ob eine Trainingsmethode die Fehlerrate eines kleinen Sprachmodells senkt. Zuerst lässt es Feynman 40 relevante Arbeiten sammeln und nach Methodik, Zitiernetz und Reproduzierbarkeit ordnen. Danach wählt das Team fünf Papers für die Volltextprüfung aus.
Mit dem Audit-Befehl vergleicht es die zentralen Aussagen eines Papers mit dessen Repository. Anschließend entsteht ein Replikationsplan für drei Trainingsläufe mit identischem Datensatz und festem Rechenbudget. Ergebnisse, Konfigurationen, Tabellen und ein Notebook liegen in derselben lokalen Werkbank. Erst die Forschenden entscheiden, ob die vorgesehenen Experimente in Docker, auf einem eigenen Rechner oder bei einem Rechenanbieter ausgeführt werden.
Der sinnvolle erste Test ist kleiner: Feynman installieren, eine eng umrissene Frage stellen und zehn gefundene Quellen manuell kontrollieren. Danach sollte das Team prüfen, ob Zitate, Versionen und Schlussfolgerungen tatsächlich zum Original passen.
Einordnung und Grenzen
Erstens bleibt die Qualität von Suchergebnissen und Synthesen vom gewählten Modell, den erreichbaren Datenbanken und den verfügbaren Volltexten abhängig. Eine sauber formatierte Quellenliste beweist noch keine korrekte Interpretation.
Zweitens bedeutet „lokale Werkbank“ nicht automatisch vollständige Datensouveränität. Wer einen gehosteten Modellanbieter oder externe Suchdienste nutzt, überträgt Anfragen an diese Dienste. Sensible Forschungsdaten gehören erst nach einer Prüfung von Konfiguration, Verträgen und Protokollierung in den Ablauf.
Drittens ersetzt Feynman weder Peer Review noch Statistik- und Fachkenntnis. Automatisch erzeugte Ranglisten können wichtige Nischenarbeiten übersehen, und ein Replikationsplan kann methodische Fehler enthalten. Auch Kosten für Modellzugriffe, Rechenleistung und Datenzugang hängen von der gewählten Umgebung ab; ein allgemeiner Gesamtpreis ist nicht angegeben.
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💡 Im Klartext
Feynman ist ein offener Forschungsagent für Terminal und lokale Browser-Werkbank. Er verbindet Literatursuche, Quellenprüfung, Replikationspläne und Forschungsdateien, ersetzt aber keine fachliche Kontrolle.
Wichtigste Erkenntnisse
- →Feynman verbindet Literaturrecherche, Quellenprüfung und Forschungsartefakte in einem Arbeitsablauf.
- →Das Werkzeug läuft im Terminal oder als lokale Browser-Werkbank.
- →Lokale und gehostete Modellanbieter werden unterstützt.
- →Replikationsversuche sollen erst nach ausdrücklicher Wahl der Ausführungsumgebung starten.
- →Quellen und automatisch erzeugte Schlussfolgerungen müssen fachlich geprüft werden.
Häufige Fragen
Ist Feynman Open Source?
Ja. Das Repository ist öffentlich auf GitHub verfügbar und verweist auf eine offene Lizenz.
Kann Feynman lokale Modelle nutzen?
Ja. Die Dokumentation nennt LM Studio, LiteLLM, Ollama und vLLM als mögliche Anbindungen.
Führt Feynman Experimente automatisch aus?
Das Werkzeug kann Replikationspläne erstellen. Laut Projektdokumentation soll die Ausführung erst nach einer ausdrücklichen Wahl der Umgebung beginnen.
Bleiben alle Daten auf dem eigenen Rechner?
Nicht zwingend. Die Werkbank läuft lokal, doch gehostete Modelle und externe Suchdienste erhalten die jeweils gesendeten Anfragen.