Vaquill bringt Vertragsprüfung direkt in Microsoft Word
22. August 2026

Vaquill AI for Word prüft Verträge, schlägt nachverfolgbare Änderungen vor und bietet eine selbst betreibbare Community-Ausgabe mit eigenem Modellzugang.
Worum es geht
Vaquill AI for Word ist ein quelloffenes Word-Add-in für Vertragsprüfung, Überarbeitung, Entwürfe und juristische Recherche. Das Werkzeug arbeitet als Seitenleiste im bereits geöffneten Dokument. Damit entfällt der übliche Wechsel zwischen Textverarbeitung, Chatfenster und Kopien einzelner Klauseln. Der Code erschien im Juli 2026 auf GitHub und steht unter der Apache-2.0-Lizenz.
Der interessante Teil ist die Trennung in zwei Ausgaben. Die gehostete Variante nutzt den Vaquill-Dienst und dessen juristische Datenquellen. Die Community-Ausgabe lässt sich mit einem eigenen Zugang zu OpenAI, Anthropic, Gemini, Groq oder Azure OpenAI betreiben. Mit Ollama kann die Modellausführung lokal erfolgen. Das macht Vaquill nicht automatisch vertraulich oder rechtssicher, gibt Kanzleien und Rechtsteams aber mehr Wahlmöglichkeiten für ihren Datenfluss.
Was Vaquill tatsächlich macht
Das Add-in liest das aktive Dokument über die Office JavaScript API. Ergebnisse landen nicht nur als Chattext neben dem Dokument: Vaquill kann Änderungen als Word-Änderungsverfolgung, Kommentare und Inhaltssteuerelemente zurückschreiben. Die Community-Ausgabe unterstützt unter anderem Erklärungen, Risikoprüfungen, Vorgaben aus eigenen Playbooks, Klauselbibliotheken, Dokumentvergleiche und einen Export mit sichtbaren Änderungen.
Die beiden Ausgaben sind nicht gleichwertig. Laut Projektdokumentation fehlt der Community-Ausgabe etwa die gehostete US-Rechtsdatenbank. Eine Prüfung, ob eine zitierte US-Entscheidung existiert, kann dort über einen eigenen CourtListener-Zugang erfolgen; Signale zur weiteren Gültigkeit einer Entscheidung und umfassendere Rechtsrecherche bleiben der gehosteten Variante vorbehalten. Eigene Playbooks und Bibliotheken speichert die Community-Ausgabe auf dem Gerät.
Technisch ist das ein echtes Word-Add-in und keine separate Upload-Seite. Microsoft dokumentiert, dass solche Erweiterungen in einer Aufgabenleiste laufen und über die Word-API Absätze sowie andere Dokumentobjekte lesen und verändern können. Vaquill nutzt genau diesen Mechanismus für die Rückgabe von Überarbeitungen.
Warum das wichtig ist
Bei Vertragsarbeit zählt nicht nur die Qualität eines Vorschlags, sondern auch dessen Weg in das Original. Ein Chatbot kann eine Klausel umformulieren, erzeugt dabei aber leicht zusätzliche Kopierarbeit und verliert den Zusammenhang mit der Änderungsverfolgung. Vaquill setzt am vorhandenen Arbeitsort an und hält Vorschlag, Kommentar und Dokument näher zusammen.
Für kleine Kanzleien, Rechtsabteilungen und Beschaffungsteams ist außerdem die Community-Ausgabe relevant. Sie erlaubt einen Test ohne verpflichtenden Vaquill-Backend-Zugang und unterstützt mehrere Modellanbieter. Lokales Ollama kann verhindern, dass Dokumenttext an einen externen Modellanbieter gesendet wird. Das gilt jedoch nur, wenn auch das Add-in lokal betrieben wird und keine zusätzlichen externen Dienste eingebunden sind. Teams müssen die tatsächliche Konfiguration, Protokolle und Netzwerkwege selbst prüfen.
Der praktische Nutzen liegt deshalb weniger in einem angeblich fertigen Ersatz für Juristen. Er liegt in einem kontrollierbaren Arbeitsablauf: Klauseln markieren, Risiken erklären lassen, eine Änderung als Vorschlag einfügen und anschließend menschlich prüfen.
Einfach erklärt
Vaquill ist wie ein Lektor, der nicht in einem zweiten Raum Notizen schreibt, sondern direkt neben dem Vertrag sitzt und jede Korrektur mit rotem Stift sichtbar macht. Die Community-Ausgabe erlaubt zusätzlich, den Lektor selbst auszuwählen und in den eigenen Räumen arbeiten zu lassen. Trotzdem muss eine verantwortliche Person jede Änderung lesen, bevor sie in die endgültige Fassung gelangt.
Praktisches Beispiel
Ein Einkaufsteam erhält einen Liefervertrag mit 42 Seiten und möchte ihn gegen ein internes Playbook mit 18 Regeln prüfen. Eine Mitarbeiterin öffnet das Dokument in Word, lädt das Playbook in der Community-Ausgabe und lässt zunächst Haftung, Laufzeit und Kündigung untersuchen. Das Add-in markiert sechs Stellen, erklärt jeweils das Risiko und schlägt vier Änderungen als nachverfolgbare Überarbeitung vor.
Die Mitarbeiterin verwirft zwei Vorschläge, weil sie nicht zur Verhandlung passen, passt einen weiteren an und gibt drei Punkte an die Rechtsabteilung. Entscheidend ist: Die sechs Hinweise sind keine Rechtsentscheidung. Sie sind eine sortierte Prüfliste im Dokument. Vor Unterzeichnung kontrolliert ein Jurist Wortlaut, geltendes Recht, Verweise und die vollständige Fassung.
Einordnung und Grenzen
Erstens können Sprachmodelle Klauseln falsch auslegen, erfundene Begründungen liefern oder wichtige Wechselwirkungen übersehen. Eine professionelle Rechtsprüfung bleibt nötig. Zweitens hängt der Datenschutz von der gewählten Ausgabe und Konfiguration ab. Ein eigener API-Schlüssel bedeutet nicht automatisch lokale Verarbeitung; nur ein tatsächlich lokal betriebenes Modell hält den Text vom Modellanbieter fern. Drittens richtet sich die gehostete Recherche laut Produktbeschreibung stark auf US-Recht. Für deutsches oder europäisches Recht dürfen Nutzer keine vollständige Abdeckung annehmen.
Hinzu kommen betriebliche Fragen: Die Community-Ausgabe muss selbst installiert, aktualisiert und abgesichert werden. Die öffentlich dokumentierte Roadmap ist keine Zusage. Vor einem Einsatz mit Mandats- oder Personendaten sollten Verantwortliche Berechtigungen, Auftragsverarbeitung, Speicherorte, Modellprotokolle und den Export geprüfter Endfassungen klären.
Der sinnvolle nächste Test ist ein abgeschlossener Mustervertrag ohne echte Personen- oder Geschäftsgeheimnisse. Dabei sollte das Team zehn bekannte Problemstellen vorab markieren und messen, welche Vaquill findet, welche Änderungen brauchbar sind und wohin Daten tatsächlich fließen.
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💡 Im Klartext
Vaquill prüft Verträge in Word und kann Vorschläge direkt als sichtbare Änderungen einfügen. Die Community-Ausgabe lässt sich mit einem eigenen Modellzugang oder lokalem Ollama betreiben, ersetzt aber keine juristische Freigabe.
Wichtigste Erkenntnisse
- →Vaquill arbeitet als Seitenleiste direkt im geöffneten Word-Dokument.
- →Vorschläge können als Änderungsverfolgung, Kommentare und Inhaltssteuerelemente zurückgeschrieben werden.
- →Die Apache-2.0-lizenzierte Community-Ausgabe unterstützt eigene Modellzugänge und lokales Ollama.
- →Gehostete und Community-Ausgabe unterscheiden sich deutlich bei Rechtsdaten und Recherchefunktionen.
- →Jede rechtlich relevante Änderung braucht weiterhin eine menschliche Prüfung.
Häufige Fragen
Ist Vaquill kostenlos?
Die Community-Ausgabe ist quelloffen unter Apache 2.0. Kosten können durch den gewählten Modellanbieter, Betrieb und Wartung entstehen; die gehostete Ausgabe ist ein separates Angebot.
Bleiben Dokumente immer lokal?
Nein. Das hängt von der Konfiguration ab. Mit lokalem Ollama ist lokale Modellverarbeitung möglich; bei Cloud-Modellen wird Text an den gewählten Anbieter übertragen.
Ersetzt Vaquill einen Rechtsanwalt?
Nein. Das Tool sortiert Prüfhinweise und Überarbeitungsvorschläge, kann aber Fehler machen und keine verantwortliche Rechtsberatung oder Freigabe ersetzen.
Auf welchen Word-Versionen läuft das Add-in?
Die Projektdokumentation nennt Word für Windows, Mac und Web. Vor einem Rollout sollte die konkrete Word-Version mit einem Testdokument geprüft werden.